Über das Leben mit einer
diskriminierten Hunderasse

Wir -  das sind der American Staffordshire Terrier Rüde Carlo, 5 Jahre jung und ich Eva, irgendwas über 29 Jahre und Besitzerin dieses wundervollen Hundes. Wir beide machen gemeinsam seit über 5 Jahren Öffentlichkeitsarbeit für Listenhunde. Wir zeigen, wie diese "gefährlichen" Hunde wirklich sind und wollen durch Taten statt nur mit lauten Parolen zum Umdenken anregen. Wir zeigen täglich über die Social Media Plattform "Instagram" unser Zusammenleben, unseren Alltag, alle Hürden und Erfolge. Wir zeigen, was es bedeutet, mit einem gelisteten Hund in Deutschland/Hessen zu leben.

Ich bin seit über 5 Jahren Besitzerin eines Listenhundes. Also eines Hundes, der auf einer sogenannten Rasseliste steht. Diese Rasseliste deklariert bestimmte Hunderassen per se als gefährlich, ohne die Hunde jemals kennen gelernt zu haben, ohne je mit ihnen gearbeitet zu haben. Diskriminiert per Gesetz, seit Geburt an. Ohne, dass diese Hunde je auffällig geworden sind.

Jedes deutsche Bundesland hat unterschiedliche Rasselisten und Auflagen für diese Hunde. Eine Einheit oder Einigkeit gibt es dabei nicht. 

Auch konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, dass diese gelisteten Rassen gefährlicher als andere Rassen seien. Aber man hält an dieser Liste fest, denn sie bringt nicht nur gute Steuereinnahmen - nein, man müsste ja auch sein eigenes Handeln hinterfragen.

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Hier ein kurzes Beispiel für Rasselisten-Willkür:

 

Thüringen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben keine Rasseliste. Die restlichen deutschen Bundesländer schon.

 

Der Rottweiler gilt in Hessen als gefährlich und muss regelmäßig einen Wesenstest absolvieren. In Niedersachsen ist er ein Hund wie jeder andere. In Bayern ist er ein "Kategorie 2"-Hund und kann mit einem positiven Wesenstest seine Gefährlichkeit widerlegen.

Der American Staffordshire Terrier (Amstaff) darf mit einem positiven Wesenstest in Hessen gehalten werden und ist dadurch Maulkorb- und Leinenbefreit. Er muss in Hamburg trotzdem einen Maulkorb tragen. In Bayern ist diese Rasse ein "Kategorie 1"-Hund und somit unwiderlegbar gefährlich. Der Amstaff darf in Bayern nicht leben. Eine maximale Aufenthaltsdauer von bis zu 4 Wochen im Jahr wird dort erlaubt.

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Besitzer von gelisteten Hunderassen müssen ganz bestimmte Auflagen erfüllen, um diese Hunde halten zu dürfen. Auch diese sind in jedem Bundesland, in jeder Gemeinde, Kommune unterschiedlich. Hier wenige, kurzgefasste Beispiele:

Ablegen einer Sachkunde, Ablegen eines Wesenstests,

Vorlgegen eines reinen polizeilichen Führungszeugnisses,

Mindestalter: 18 Jahre, Kampfhunde dürfen (in Hessen) nur einzeln ausgeführt werden, das eingezäunte Grundstück muss eine Mindesthöhe erfüllen, etc. etc.

Ich habe nichts gegen Auflagen für bestimmte Hunde, die ein gewisses Potential, eine gewisse Größe und ein gewisses Gewicht mit sich bringen.

Ich habe aber etwas gegen Willkür und Ungerechtigkeit. Ich habe etwas dagegen, wenn man als Listenhundbesitzer nicht weiß, wie die Auflagen mit seinem Listenhund ein Bundesland weiter sind. Denn nur, weil man in seinem eigenen Bundesland einen postiven Wesenstest absolviert hat - Maulkorb- und Leinenbefreit ist - , ist der Hund noch lange nicht in anderen Bundesländern davon freigestellt.

 

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Hund nur so gut sein kann, wie sein Halter. Wenn der Halter in seiner Erziehung des Hundes und dessen Kontrolle nicht nachkommt, sollte der Mensch dafür zur Rechenschaft gezogen werden, und nicht der Hund oder sogar eine ganze Rasse.

Jede Rasse hat eine bestimmte Genetik, die früher in der Zucht gezielt selektiert wurde. Der Mensch muss sie kennen, damit umgehen und entsprechend handeln können. Und dabei ist die Berufsbezeichnung des Hundes, ob er ein Hütehund, ein Jagdhund oder ein Kampfhund ist, erstmal nicht relevant. Relevant ist, dass der Mensch diese Eigenschaften handeln und kontrollieren kann.

 

Durch eine Rasseliste wird man diese Selektion von fähigen Halter nicht treffen können. Jeder Hundehalter sollte auf seine Fähigkeiten geprüft werden, ob er in der Lage ist, einen bestimmten Hund zu führen. Ganz egal, welche Rasse.

Halterkunde statt Rasseliste.

Für mehr Aufklärung und weniger Diskriminierung in unserer Gesellschaft.

Rassismus ist keine Meinung. Sondern ein Verbrechen.

Beim Menschen, wie auch beim Hund.