Und ganz plötzlich wurde der Hund aggressiv

Aktualisiert: 27. Dez 2019

Wenn der Hund schnell weg muss, weil man Fehlverhalten monatelang ignoriert hat.


Manfred war 16 Wochen alt und wenige Kilo schwer, als er das erste mal seinen Besitzer wegen eines Kauknochens anknurrte. Der Besitzer kontaktierte einen Hundetrainer, der ihm rat, dieses Verhalten zu ignorieren und gutes Verhalten anschließend zu belohnen.


„Wir Menschen sind intelligente Lebewesen und sollten gutes Verhalten stets positiv verstärken anstatt unangebrachtes Verhalten abzubrechen.“ ermahnte der Trainer und der Besitzer nickte einstimmig zu.


Wenige Wochen später wollte Manfred auf die Couch und machte sich dort breit, der Besitzer wollte das aber nicht und bat ihn wieder runter zu gehen. Manfred erahnte durch die Körpersprache des Besitzers, was das Vorhaben war, wehrte sich aber prompt mit den Zähnen dagegen. Der Besitzer war erschrocken und machte erstmal gar nichts. Ignorieren solle man ja einen Hund bei Fehlverhalten oder aber ihn mittels Futter den Weg von der Couch zeigen. Manfred fand den Weg mit Futter runter von der Couch prima, nahm sich das Futterstück und sprang wieder auf die Couch. Was für ein witziges Spiel.

Heute ist Manfred 1 1/2 Jahre alt, 50 kg schwer und sitzt gerade im Auto Richtung Tierheim. Schwer erziehbar und unberechenbar nennt man ihn jetzt. Manfred lässt sich von niemandem mehr sagen, was er darf und was nicht, weil er gelernt hat, sich das rauszunehmen, was er für angenehm und richtig empfindet. Weil ihm bisher niemand in seinem Leben gesagt hat, was er darf und was nicht. Hätte dem Hund einfach mal jemand klare Grenzen gesetzt, ihm jemand gesagt, was er darf und was nicht, dann wüsste er jetzt auch, wie er sich in welcher Situation angemessen verhalten kann. Stattdessen hat er gelernt, wenn ihm etwas nicht passt, reagiert der Mensch nicht und lässt ihn gewähren. Oder aber noch viel besser: „unangemessenes“ Verhalten wird zugelassen und zusätzlich ein weiteres Verhalten belohnt.

Großartig, dass wir so hochintelligente Lebewesen sind, die sich wie handlungsunfähige Futterspender benehmen und alles positiv verstärken - weil das Leben bekanntermaßen nur aus Zuckerwatte besteht.

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